• <b>Carlo Cattaneo</b><br>Eine Ausgabe der politischen Schriften, erschienen 1892 in Florenz, mit seinem Porträt auf dem Titelblatt (Archivio di Stato del Cantone Ticino). Das Porträt wurde nach einer Zeichnung von Ernesta Bisi aus dem Jahr 1826 gestochen.

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Cattaneo, Carlo

geboren 15.6.1801 Mailand, gestorben 5.2.1869 Castagnola (heute Lugano), kath., aus Mailand, österr., dann ital. Staatsangehöriger. Sohn des Melchiorre, Goldschmieds, und der Maria Antonia Sangiorgi. ∞ Anne Woodcock, Engländerin. Nach Schulen in Mailand und Rechtsstud. in Pavia bei Gian Domenico Romagnosi (1824 Dr. iur.) arbeitete C. bis 1835 als Lehrer an einem Gymnasium in Mailand; später wurde er mit seiner Zeitschrift "Il Politecnico" (1839-44, 1860-63/65) und durch Tätigkeit u.a. für die Eisenbahnlinie Mailand-Venedig zu einem wichtigen Propagator des Fortschritts in der Lombardei. Während der Revolution von 1848 geriet er als Verfechter demokrat. Anliegen in Opposition zur gemässigten Mailänder Führung. Nach der Rückkehr der Österreicher (Aug. 1848) lebte er bis zu seinem Tod im Tessiner Exil. Hier verarbeitete er die Revolutionserfahrungen in versch., in der Tipografia elvetica gedruckten Schriften (insbesondere im "Archivio triennale"). 1852 wurde er Philosophielehrer am neu gegr. Liceo cantonale in Lugano, an dessen Unterrichtsgrundlagen er massgebenden Anteil hatte. Daneben widmete sich C. der Melioration der Magadinoebene und der Alpenbahnfrage, in der er neben Pasquale Lucchini zum Hauptbefürworter der Gotthardvariante im Tessin wurde. 1858 erhielt er vom Gr. Rat das Tessiner Ehrenbürgerrecht, überwarf sich aber in der Frage der Zufahrtslinien mit dem Luzerner Gotthardkomitee und der Tessiner Regierung, so dass er 1865 den Schuldienst quittierte. Die Schaffung des ital. Staates verfolgte er aus krit. Distanz und, aufgrund seiner föderalist. Position, auch innerhalb der demokrat. Linken als Einzelgänger. Zu Problemen der ital. und Tessiner Tagespolitik nahm er brillant, aber ätzend Stellung. 1860 und 1867 wurde C. in die ital. Deputiertenkammer gewählt, ohne jedoch an den Parlamentssitzungen je teilzunehmen. C. gilt in Italien neben Giuseppe Mazzini als wichtigster Gegenspieler des liberal-moderaten Establishments und als einer der Grossen des Risorgimento. Im Tessin war er Anreger und Mentor der liberal-radikalen Führungsgruppe der 1850er und frühen 60er Jahre. Verfasser zahlreicher polit., ökonom., hist., philosoph. und literaturkrit. Schriften.

<b>Carlo Cattaneo</b><br>Eine Ausgabe der politischen Schriften, erschienen 1892 in Florenz, mit seinem Porträt auf dem Titelblatt (Archivio di Stato del Cantone Ticino).<BR/>Das Porträt wurde nach einer Zeichnung von Ernesta Bisi aus dem Jahr 1826 gestochen.<BR/>
Eine Ausgabe der politischen Schriften, erschienen 1892 in Florenz, mit seinem Porträt auf dem Titelblatt (Archivio di Stato del Cantone Ticino).
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Werke
Scritti, 16 Bde., 1956-81
Epistolario, hg. von R. Caddeo, 4 Bde., 1949-56
Il Politecnico 1839-1844, hg. von L. Ambrosoli, 2 Bde., 1989
Carteggi di Carlo C., 2001-
Archive
– Museo del Risorgimento, Mailand, Nachlass (Mikrofilmkopien im StadtA Lugano)
Literatur
– C. Moos, L'"altro" Risorgimento, 1992
– G. Armani, Carlo C., 1997
– G. Armani, Gli scritti su Carlo C.: Bibliografia 1836-2001, 2001
– A. Gili, Carlo C. (1801-1869), un "Italiano svizzero", 2001

Autorin/Autor: Carlo Moos