Lurtigen

Ehemalige politische Gemeinde FR, Seebezirk, seit 2013 Teil der Gemeinde Murten. Das Dorf liegt zwischen Murten und Laupen in einer Rodung, die noch zu Beginn des 21. Jh. - im schweiz. Mittelland wohl einzigartig - bis auf eine kleine Lücke von Wald umschlossen war. 1397 Lurtens, 1508 Lurting, franz. früher Lourtens. 1428 17 Haushalte; im 17. Jh. noch 4; 1811 138 Einw.; 1850 198; 1900 200; 1950 188; 2000 179. Bei L. passierte der von Georges Grosjean vermutete decumanus maximus (röm. Hauptstrasse) des Hauptnetzes Avenches-Ost nach Gümmenen. L. bildete einen Teil der Herrschaft Murten, die nach den Burgunderkriegen als gemeine Herrschaft an Bern und Freiburg kam, 1798 zu Freiburg allein. Den Hof der Fam. Velga, ab 1626 im Besitz der Substitution (Erbengemeinschaft) der Fam. von Diesbach-Liebistorf, kaufte 1787 ein Konsortium von acht Lurtigern. L. gehört zur ref. Kirchgemeinde Murten. Ab 1684 besass L. zusammen mit Altavilla und Burg bei Murten eine Dt. Schule, seit 1812 ein eigenes Schulhaus. Es weist einen auffallend alten Baubestand des 18. und 19. Jh. auf (grosse Holzhäuser mit ursprünglich strohgedeckten Vollwalmdächern). In L. besteht ein Dorfofenhaus von vermutlich 1760 mit einem Archivschrank von 1738. Das Dorf hat auch Anfang des 21. Jh. den Charakter einer traditionellen Siedlung mit Agrar- und Viehwirtschaft bewahrt.


Literatur
– J.P. Anderegg, Die Bauernhäuser des Kt. Freiburg 1, 1979
– E. Herren, Kleines Dorf, grosse Gesch., 1986
Kdm FR 5, 2000, 406-409

Autorin/Autor: Hermann Schöpfer