28/10/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Schweizerkreuz

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Das Schweizer Wappen zeigt auf rotem Grund ein weisses Kreuz. Zur Herkunft dieses Kreuzes, eines ursprünglich christl. Symbols, liegen drei Deutungen vor: Der ersten zufolge stammt es von der thebäischen Legion, deren Kult namentlich im burgund. Königreich stark verbreitet war, gemäss der zweiten von der ab dem 12. Jh. nachgewiesenen Reichssturmfahne, nach der dritten von den Arma Christi, den Leidenswerkzeugen Jesu, die insbesondere in der Innerschweiz verehrt wurden und von den Urschweizer Orten angeblich ab 1289 auf das rote Blutbanner geheftet werden durften.

Das durchgehende weisse Kreuz wurde in Form von zwei übers Kreuz aufgenähten Bändern erstmals von den Bernern in der Schlacht bei Laupen (1339) als Erkennungszeichen auf den Kleidern getragen. Es unterschied sich vom roten St. Georgskreuz der Österreicher und dem burgund. Andreaskreuz, welches Maximilian I. und die Landsknechte übernahmen. Das weisse Kreuz wurde ab dem 14. Jh. im Berner und im 15. Jh. auch auf den übrigen eidg. Feldzeichen geführt, den sog. Fähnlein, während die grossen Fahnen - allenfalls mit aufgeheftetem weissem Kreuz - weiterhin die Wappen der Orte zeigten. Diese sind auch auf den Bannern zu sehen, die Papst Julius II. 1512 den Eidgenossen schenkte. Die Banner sind teilweise mit einem Kruzifix im Eckquartier versehen. Die gemeineidg. Fahne wurde nur für gemischtörtige Truppen oder Söldner üblich.

Ab der Mitte des 16. Jh. wurde das weisse S. als eidg. Kreuz bezeichnet und zuweilen zivil verwendet, beispielsweise auf Patenpfennigen der eidg. Orte für den franz. König. Die Unterscheidung des S.es von den durchgehenden Kreuzen anderer Städte und Staaten, etwa Savoyen, ist schwierig. Ab dem 17. Jh. erschien das durchgehende S. auf den in den Kantonsfarben geflammten Truppenfahnen. Da jeder Kanton souverän war, besass die alte Eidgenossenschaft also kein gemeinsames Wappen. Nachdem General Niklaus Franz von Bachmann 1800 und 1815 bei seinen Truppen das weisse Kreuz auf rotem Grund als Feldzeichen eingeführt hatte, wurde es 1815 schwebend, gleichschenklig und umgeben von den Kantonswappen von der eidg. Tagsatzung zum Symbol des eidg. Siegels bestimmt, das beim Bundesvertrag 1815 zum ersten Mal verwendet wurde.

Auf Betreiben Guillaume-Henri Dufours wurde erstmals 1840 eine gesamtschweiz. Truppenfahne mit dem frei schwebenden, weissen S. im roten Feld geschaffen. 1889 präzisierte der Bundesrat, dass die vier gleich langen Arme des aufrechten, frei schwebenden Kreuzes um ein Sechstel länger als breit sein müssten. Das Grössenverhältnis zwischen S. und Schild bzw. Fahne ist hingegen nicht festgelegt.


Literatur
– T. von Liebenau, «Das S.», in SAHer 11, 1900, 121-128
– C. Borgeaud, «Die Schweizerfahne», in Schweizer Kriegsgesch., H. 10, 1917, 85-105
– F. Bächtiger, «Andreaskreuz und S.», in Jb. des Bern. Hist. Mus. 51/52, 1971/72, 205-270
– L. Mühlemann, Wappen und Fahnen der Schweiz, 1977, (31991)
– G. Marchal, «De la "Passion du Christ" à la "Croix suisse"», in Itinera 9, 1989, 108-131
– C. Sieber-Lehmann, Spätma. Nationalismus, 1995, 131-136

Autorin/Autor: Peter F. Kopp