13/11/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Landeshymne

Eine L. oder Nationalhymne ist ein Lied, welches Eigenart und Zusammengehörigkeitsgefühl einer Nation textlich und musikalisch repräsentieren soll, v.a. bei patriot. Feiern, im Einflussbereich der diplomat. Vertretungen, bei Staatsempfängen sowie militär. und internationalen sportl. Anlässen. Während der Begriff L. in Deutschland und Österreich v.a. für die Hymnen einzelner Bundesländer verwendet wird, bezeichnet er in der Schweiz offiziell die Nationalhymne. Neben der L. gibt es eine grosse Zahl von Orts-, Regional- und Kantonsliedern, die indes keinen offiziellen Status haben.

Die offizielle Deklaration von meist bereits vorhandenen Liedern zu L.n steht in Zusammenhang mit der Bildung der Nationalstaaten im frühen 19. Jh. Als musterhaft galt das 1745 erstmals gesungene, Henry Carey zugeschriebene "God save the King", das sich zuerst in Dänemark und später u.a. in der Schweiz als L. einbürgerte; den dazugehörigen Text "Rufst du mein Vaterland" verfasste 1811 Johann Rudolf Wyss (1781-1830). Breite Kritik an dem musikalisch nicht mit der Schweiz identifizierbaren Lied setzte schon im 19. Jh. ein. Sie führte aber erst 1961 zum Beschluss des Bundesrats, den populären, vom Zürcher Leonhard Widmer gedichteten und vom Wettinger Pater Alberik Zwyssig komponierten, 1841 erstmals aufgeführten "Schweizer Psalm" mit der Anfangszeile "Trittst im Morgenrot daher" vorerst provisorisch für drei Jahre als offizielle L. einzusetzen. Die offizielle franz. Textfassung stammt von Charles Chatelanat, die ital. von Camillo Valsangiacomo, die surselv. von Alfons Tuor und die ladin., auf der auch diejenige in Rumantsch Grischun durch die Lia Rumantscha basiert, von Gion Antoni Bühler. Eine Vernehmlassung unter den Kantonen führte zur Beibehaltung, die vom Bundesrat 1981 unter Aufhebung des verlängerten Provisoriums bestätigt wurde. Andere Vorschläge wie "O mein Heimatland" von Gottfried Keller und Wilhelm Baumgartner, "Heil dir, mein Schweizerland" aus Otto Barblans Calven-Festspiel oder "Vaterland, hoch und schön" von Hermann Suter konnten sich ebenso wenig durchsetzen wie Neuschöpfungen (der Rütlischwur aus Schillers "Wilhelm Tell" in der Vertonung von Robert Blum, das "Schweizerlied" von Herbert Meier und Paul Burkhard). Die 2004 im Nationalrat eingereichte Motion, die eine Modernisierung des Textes der L. verlangte, wurde 2006 zurückgezogen.


Literatur
Ber. über das Problem der Schweiz. Nationalhymne, 1958
– H. Meng, Pater Alberich Zwyssig, Komponist des Schweizerpsalms, 1982
– E. Schönmann, «Ortslieder der Schweiz», in "... im Kreise der Lieben", hg. von C. Burckhardt-Seebass, 1993, 11-51

Autorin/Autor: Ernst Lichtenhahn