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Zürcher, Johann Melchior

geboren 10.1.1821 Menzingen, gestorben 3.7.1902 Zug, kath., von Menzingen. Sohn des Leonz, Metzgers und Wirts, und der Elisabeth geb. Hegglin. Bruder von Franz Xaver ( -> 4) und Karl Franz ( -> 15). ∞ Anna Emilia Deschwanden, Tochter des Louis Viktor, Hauptmanns und Anwalts. Lateinschule und Gymnasium in Menzingen, 1839-40 Philosophiekurs in Solothurn, 1840-43 Medizin- und Philosophiestud. in München, Bekanntschaft mit Gottfried Keller, 1843-45 Medizinstud. in Zürich. Dort bewegte sich Z. im Umkreis von Ulrich Zehnder und neigte zu einem rationalist. Pantheismus. 1845-54 führte er eine Arztpraxis in Menzingen, danach in Zug. Unter dem Einfluss seines Cousins Franz Joseph Hegglin und v.a. durch die Einwirkung seiner frommen, 1862 verstorbenen Frau bewegte er sich in Richtung eines ultramontanen Katholizismus. Im Piusverein nahm er Anregungen auf, um die unzureichende Seelsorge für die rasch wachsende kath. Bevölkerung in der ref. Diaspora der Schweiz durch ein Hilfswerk zu intensivieren. Damit sollten der kirchl. Einfluss auf die dortigen Katholiken erhalten und deren befürchtete Assimilation verhindert werden. 1863 setzte Z., u.a. unterstützt von Theodosius Florentini, gegen innerkath. Widerstände die Gründung der Inländ. Mission durch, die fortan im Zentrum seines Lebens stand. Er prägte als Geschäftsführer 1863-1902 den Aufbau des auf Spenden basierenden Vereins, der v.a. mittels Finanzierung von Kirchenbauten und Besoldung von Priestern in der Diaspora wirkte. Im Kt. Zug, wo er wegen seiner Frömmigkeit auch Laienbischof genannt wurde, war Z. 1868-88 Kantons- und 1870-72 Erziehungsrat. Umgänglich im Ton und kompromisslos in der Sache, engagierte er sich insbesondere dort, wo es um konkrete kath. Anliegen ging, so im Schulwesen, bei der Sonntagsruhe oder beim Stimmrecht für Geistliche. Ritter des päpstl. Gregoriusordens.


Literatur
– R. Brülisauer, Die inländ. Mission, 1863-1913, 1995

Autorin/Autor: Renato Morosoli