• <b>Placidus Spescha</b><br>Porträt des Benediktiners und Naturforschers aus Graubünden. Öl auf Leinwand eines unbekannten Künstlers, Ende 18. Jahrhundert (Rätisches Museum, Chur). Die Bildunterschrift lautet: "Et si pereat mundus: Tamen fiat justitia" ("Auch wenn die Welt darüber zugrunde geht, es geschehe Gerechtigkeit".) Das Bild war vermutlich ein Geschenk des Benediktiners Jakob Ulrich Sprecher von Bernegg, mit dem Spescha zwischen 1808 und 1830 eine rege Korrespondenz unterhielt.

No 4

Spescha, Placidus

getauft 8.12.1752 (Julius Baptist) Trun, gestorben 14.8.1833 Trun, kath., von Trun. Sohn des Peter Laurenz, Bauern, und der Anna-Maria Genelin. Elementarschule in Chur, im Vinschgau und an der Klosterschule Disentis, 1774 Eintritt in die Benediktinerabtei Disentis, ab 1776 Stud. der Philosophie und Theologie im Kloster Einsiedeln, 1782 Priesterweihe. S., der sich der humanist.-barocken Geistigkeit verpflichtet fühlte und von der Aufklärung beeinflusst war, betrieb ab 1782 auf dem Hospiz S. Gagl am Lukmanierpass seine Forschungen: Er beschrieb die Alpenwelt, besonders das Bündner Oberland und das Gotthardgebiet, sammelte Pflanzen und Mineralien (Kristallsammlung), fertigte zahlreiche Karten, Schriften und Handrisse an und stand im Briefwechsel mit dem Alpenforscher Jakob Samuel Wyttenbach. Als Alpinist und Naturforscher gelangen ihm mehrere Erstbesteigungen (1782 Scopi, 1785 Badus, 1789 Rheinwaldhorn, 1793 Oberalpstock). Er setzte sich für soziale Werke wie das Armenasyl in Trun ein und förderte den Bergbau in der Region sowie den Tourismus (Tenigerbad). Von seiner Jugend an studierte S. die rätorom. Sprache und entwickelte die Idee der "Rätoroman. Nation", die eine einheitl. Schriftsprache anstreben sollte. Im Kriegsjahr 1799 sympathisierte er mit der franz. Seite und vermittelte wiederholt zwischen den Franzosen und der österreichisch gesinnten Abtei Disentis. Durch Kriegskontribution, Beschlagnahmungen und den Brand des Klosters verlor er seine 300 Bücher umfassende Bibliothek, viele seiner Handschriften und Kartenzeichnungen sowie seine Naturaliensammlung. Schliesslich wurde er als polit. Geisel nach Innsbruck geführt. Nach seiner Rückkehr begann er 1801 ein ruheloses Leben auf versch. Kaplaneiposten in der Surselva. Wiederholt legte er sich mit seinen Vorgesetzten, dem Konvent und den Gemeindebehörden an. Neben seiner Forschungstätigkeit pflegte er weiterhin Kontakte zu Landschaftsmalern, Reisenden und Naturforschern, darunter zu Johann Gottfried Ebel. Ab 1811 nannte er sich im schriftl. Verkehr mit den Gelehrten "a S.". S. gilt als bedeutendster Aufklärer in Disentis und in der schweiz. Benediktinerkongregation.

<b>Placidus Spescha</b><br>Porträt des Benediktiners und Naturforschers aus Graubünden. Öl auf Leinwand eines unbekannten Künstlers, Ende 18. Jahrhundert (Rätisches Museum, Chur).<BR/>Die Bildunterschrift lautet: "Et si pereat mundus: Tamen fiat justitia" ("Auch wenn die Welt darüber zugrunde geht, es geschehe Gerechtigkeit".) Das Bild war vermutlich ein Geschenk des Benediktiners Jakob Ulrich Sprecher von Bernegg, mit dem Spescha zwischen 1808 und 1830 eine rege Korrespondenz unterhielt.<BR/>
Porträt des Benediktiners und Naturforschers aus Graubünden. Öl auf Leinwand eines unbekannten Künstlers, Ende 18. Jahrhundert (Rätisches Museum, Chur).
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Werke
Beschreibung der Alpen, vorzüglich der höchsten (1823), hg. von U. Scholian Izeti, 2002, (mit Werkverz.)
Entdeckungsreisen am Rhein, hg. von U. Scholian Izeti, 2005, (mit Bibl. und Werkverz.)
Archive
– KlA Disentis
– StAGR, Nachlass
Literatur
– F. Pieth, P.K. Hager, Pater Placidus a S., 1913
– I. Müller, Pater Placidus S. (1752-1833), 1974
– J. Auf der Maur et al., Pater Placidus a S. - "il curios pader", 1995
– H. Hofmann, «Placidus S. - ein grosser Bündner», in Bündner Bauer, 2003, Nr. 3, 21-27

Autorin/Autor: Urban Affentranger