Boccard, de

Fam. des Freiburger Patriziats, kath. Der Familienname wurde im 16. Jh. eingedeutscht zu Burckhardt; im 17. Jh. hat sich aber der Name B. durchgesetzt. Erster bekannter Vertreter ist der 1462 erw. Pierre Boccardier von Onnens (VD), Mitherr von Corcelles[-près-Concise]. 1538 wurde erstmals ein B. ins Freiburger Bürgerrecht aufgenommen. Die noch bestehende Linie geht auf Laurent zurück, der 1583 das Bürgerrecht erwarb und ins Patriziat aufstieg (Mitglied des Rats der Zweihundert und des Rats der Sechzig). Er war Mitherr von Corcelles und Concise und wurde 1602 Bürger von Vuippens. 1629 kaufte sein Sohn Martin das Schloss Vuippens, das bis 1862 im Besitz der Fam. blieb. 1640 von Ks. Ferdinand III. mit einem Adels- und Wappenbrief versehen, steht er am Beginn von vier Linien: der Linie auf Schloss Jetschwil (Gem. Düdingen), das noch heute im Familienbesitz ist, der Linie auf Schloss Givisiez, der 1843 erloschenen Linie der Herren von Grangettes und Fuyens sowie der 1769 erloschenen Linie von Argenteuil (bei Paris). Nach ihrer Niederlassung in Freiburg zeichneten sich B. in allen polit. Ämtern des Stadtstaats aus. Jean-Pierre ( -> 3) bekleidete 1713 das höchste Amt eines Schultheissen. Joseph Hubert ( -> 4) und François-Xavier-Nicolas, Jesuit, Priester zu St. Niklaus und Beichtvater des poln. Kg. August des Starken von Sachsen, hatten kirchl. Laufbahnen gewählt. Vom frühen 17. Jh. an standen Mitglieder der Fam. auch in span. Diensten im Herzogtum Mailand. 1751-82 besass François-Jean-Philippe ( -> 1) ein Regiment in franz. Dienst. Beinahe zwanzig B. leisteten militär. Dienste: in der päpstl. Schweizergarde, z.Z. der Restauration in Neapel und Rom, in der Schweiz bei der Freiburger Miliz und im eidg. Heer. Typ. Ämter und Funktionen im 19.-20. Jh. waren Freiburger Grossrat, Stadtammann, Oberamtmann, Richter, Polizeikommandant und Bankier. Zur Fam. gehörten auch ein Verleger in Paris, zwei Malerinnen sowie drei Forschungsreisende in Afrika, Südamerika und Australien, darunter Raymond (1844-1923), Konservator des Museums für Kunst und Geschichte in Freiburg.


Archive
– StAFR, Nachlass, Dossier de Vevey
Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 5, 57-66
– H. de Vevey, 142 généalogies de familles fribourgeoises, Ms., 1934-75 (KUBF)

Autorin/Autor: Régis de Courten / AZ