14/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Oberrieden

Polit. Gem. ZH, Bez. Horgen. Linksufrige Zürichseegemeinde, deren Gebiet sich vom See bis an die Sihl erstreckt. 1133-67 Obrendrieden. 1634 246 Einw.; 1750 690; 1850 832; 1900 1'224; 1950 1'987; 2000 4'583.

Die ältesten Siedlungsspuren im Scheller, an der Mündung des Grenzbaches zu Horgen, stammen aus der Horgener Kultur: Silexwerkzeuge, Keramikscherben, auf 3051-3037 v.Chr. datierte Holzreste. Auf weitere Funde aus der Jungsteinzeit stiess man beim Strandbad. Wahrscheinlich wurde das Gebiet 853 von Ludwig dem Deutschen dem neu gegr. Fraumünster in Zürich geschenkt. Als Teil der habsburg. Herrschaft Horgen-Maschwanden gelangte O. 1406 durch Kauf von den letzten Pfandinhabern, den Herren von Hallwyl, an die Stadt Zürich; bis 1798 gehörte es zur Obervogtei Horgen. Vom 16. Jh. an verwaltete O. als vierte Wacht von Horgen seine Allmend sowie Wachtgut und -holz selbst. Drei Geschworene vertraten die Wacht gegenüber der Zürcher Obrigkeit. Mit wachsender Bevölkerung löste sich O. von Horgen: 1620 eigene Schule, 1761 eigene Kirche (Baumeister Hans Ulrich Grubenmann). 1773 erhielt O. vom Zürcher Rat einen Gemeinde- und Einzugsbrief.

Ende 18. Jh. bestand O. aus zerstreut verteilten Weilern, dazwischen lagen vom See bis zur obersten Hangterrasse Reben. Haupterwerbszweige waren Landwirtschaft (v.a. Wein- und Obstbau) und Seidenweberei (Heimindustrie), in vielen Haushaltungen nebeneinander betrieben. 1850 waren 35% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 60% im 2. Sektor beschäftigt. Aussergewöhnlich gross war die Waldfläche, die noch zu Beginn des 21. Jh. zwei Fünftel des Bodens bedeckt. Mehr als die Hälfte davon gehört der Landforstkorporation O. Diesen Teil des alten Fraumünsteramtsforstes hatte die Stadt 1835 den Landleuten abgetreten. Trotz der Lage an zwei Bahnlinien bestand in O. im frühen 20. Jh. noch wenig Industrie (Seide, Betonbalken, Biskuits). Eine Rarität war 1923-35 die erste schweiz. Flugzeugfabrik von Alfred Comte. Deren Gebäude wurden nachher von der Universal AG benützt, die bis 1962 Motorräder herstellte. Anfang 21. Jh. sind die Reben und Fabriken grösstenteils verschwunden, O. ist zum Vorort Zürichs geworden. Zwei Drittel der Berufstätigen arbeiten auswärts, v.a. in Zürich.


Literatur
– W.R. Bernhard, Unser O., 1981
150 Jahre Landforstkorporation O., 1985
100 Jahre Sekundarschule O., 1988

Autorin/Autor: Walter R. Bernhard