24/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Obfelden

Polit. Gem. ZH, Bez. Affoltern. Im Knonaueramt an der Reuss und Grenze zum Kt. Aargau gelegener Verband der fünf Zivilgemeinden Bickwil, Ober-, Unterlunnern, Wolsen und Toussen, der sich 1847 aus der polit. Gemeinde Ottenbach löste. 1246 Bickewilare, 1257 Lundenerun und Lunderun inferioris, 1311 Wolunsun, 1325 Tunsen. Um 1450 ca. 24 Haushalte; 1634 311 Einw.; 1668 562; 1799 789; 1850 896; 1900 1'335; 1950 1'517; 2000 4'182. Mögliche neolith. Siedlung in Wolsen, hallstattzeitl. Grabfunde bei Toussen. 1741 wurde unter der Leitung des Knonauer Landvogts Johann Jakob Scheuchzer in Unterlunnern eine röm. Siedlung ausgegraben und dabei ein Depot mit Münzen und Goldschmuck (heute im Schweiz. Landesmuseum) aus dem 3. Jh. entdeckt. Die fünf in der Kirchgemeinde Ottenbach "Ob dem Feld" liegenden Weiler bildeten sich im SpätMA und in der frühen Neuzeit mit Zelgen, Allmenden und z.T. mit Einzugsbriefen aus. Toussen und ein Teil von Unterlunnern gehörten zum Gericht Freiamt, ab 1507 zur Landvogtei Knonau, und die übrigen Siedlungsteile zur Vogtei Maschwanden, die 1512 in die Landvogtei Knonau eingegliedert wurde. Der Gemeindeteilung 1847 gingen heftige Streitigkeiten voran, u.a. wegen Armenunterstützungen und Wahlgeschäften. Mit der polit. Trennung erfolgte auch diejenige der Kirchgemeinde. Um die 1848 fertiggestellte Kirche entstand das neue Quartier Kirchfeld, das 1854 vom Gebiet der Zivilgemeinde Wolsen getrennt und der polit. Gemeinde unterstellt wurde. Dessen Ausbau förderte der Entscheid des Regierungsrats von 1861, die Strassenverbindung von Affoltern am Albis ins Reusstal nicht durch die alten Dorfkerne hindurchzuführen. 1877 wurden die fünf Zivilgemeinden aufgelöst. An die bereits im 18. Jh. stark vertretene textile Heimindustrie anknüpfend, führte Rudolf Stehli um 1840 die Seidenweberei (Ferggerei und Fabrikationsgebäude Gwerb in Oberlunnern, Produktion bis 1975) ein. 1902-45 wurde die Gasfabrik O. betrieben, 1935 die Gesamtmelioration beschlossen. War O. 1920 mit 63% Erwerbstätigen im 2. Sektor und 202 Zupendlern (1910) eine industriell-gewerbl. Gemeinde, so entwickelte sie sich zur periurbanen Gem. (2000 77% Wegpendler).


Literatur
Gesch. der Gem. O., 1947
– S. Brändli, «Fabrik und Villa Stehli», in Vom Grabhügel zur Ökosiedlung, hg. von R. Böhmer et al., 2007, 222 f.
Der röm. Goldschmuck aus Lunnern (ZH), hg. von S. Martin-Kilcher et al., 2008

Autorin/Autor: Martin Illi