23/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Aeugst am Albis

Polit. Gem. ZH, Bez. Affoltern. Sie umfasst die Dörfer A., auf einer nach Süden orientierten Hangterrasse am Aeugsterberg gelegen, Wengi und im obern Reppischtal Aeugstertal. 876/887 Ousta, 1277 Oeugsten. 1454 ca. 50 Einw.; 1695 408; 1800 573;1850 647; 1900 607; 1950 650; 2000 1'544.

Ein prähist. Bergsturz am Aeugsterberg führte zur Bildung des Türlersees. Die Flurnamen Betpur, Steinmur und Buchs weisen auf eine röm. Besiedlung bei Müliberg hin. Die im FrühMA entstandene Siedlung Borsikon (883 Porsinchova) ist 1412/31 als Gem. belegt (acht Höfe). Sie geriet im 16. Jh. in Abgang. Grundherren waren im 9. und 10. Jh. das Gross- und das Fraumünster, danach auch regionaler Adel (Sellenbüren, Eschenbach-Schnabelburg, Aarburg, Wädenswil, Hünenberg), vom späten 13. Jh. an v.a. die Klöster Kappel und St. Blasien (D). Gemäss der Offnung von 1412/31 bildete A. mit Borsikon und Breitmatt (heute Habersaat) eine Vogtei (Niedergericht), welche nach häufigem Besitzerwechsel 1400 an Johannes Meyer von Knonau, 1512 von Gerold Meyer von Knonau an Zürich kam. Die hohe Gerichtsbarkeit gelangte 1415 von Habsburg an Zürich, und ab 1512 war A. Teil der Landvogtei Knonau. Eine Kapelle St. Katharina und St. Georg in A. ist 1503 erstmals erw. Der Name Chloster im Aeugstertal weist auf den Standort einer Beginensammlung des 15. Jh. hin. A. und Wengi waren bis zur Bildung der Pfarrei A. mit gleichzeitigem Kirchenbau (1667) nach Mettmenstetten, Aeugstertal und Müliberg nach Stallikon kirchgenössig. Die anfangs des 19. Jh. gebildete polit. Gem. A. entspricht territorial der Kirchgem. Einzugsbriefe für die drei Dorfgem. (1774) dienten der Abschliessung gegenüber armen Zuzügern. Die trotz topograf. ungünstigem Gelände betriebene Dreizelgenwirtschaft wurde im späten 18. und frühen 19. Jh. durch Gras- und Mostobstbau abgelöst. Um 1850 war fast die Hälfte der weibl. Einw. in Heimarbeit in der Baumwoll- und Seidenweberei tätig. Das vielgepriesene Wengibad (mit Taverne), 1412 als Heilbrunnen erstmals erw., bestand bis Ende der 1930er Jahre. Braunkohle wurde im Aeugstertal 1786-1814, danach wiederum während der Krisen- und Kriegsjahre 1917-21 und 1941-46 abgebaut. Hofgebundene "Gerechtigkeiten" verhinderten im Ancien Régime den Bau neuer Höfe und damit die dörfl. Entwicklung. Auch im 19. Jh. und bis 1960 blieb das Siedlungsbild prakt. unverändert. Danach setzte eine vorerst bescheidene, ab 1970 anhaltend starke Bautätigkeit (Einfamilienhäuser) ausserhalb des Ortskerns von A. ein: 1960-80 Melioration (u.a. Güterzusammenlegung), 1975-85 durchgreifende, offene Ortsplanung. 1990 waren 70% (1910 5%) der Erwerbstätigen Wegpendler, v.a. nach Zürich, Zug und Affoltern am Albis. Heute bestehen ein Dutzend Bauern- und einige Gewerbebetriebe.


Quellen
SSRQ ZH I/1, 52-67
Literatur
– R. Ochsner, Gesch. von A., 1936
– E. Benninger, Borsikon -- ein abgegangenes Dorf im Knonaueramt, 1983, (SA im StAZ)
– E. Forster, Zur Gesch. des Wasserkraftwerkes im Aeugstertal, 1995

Autorin/Autor: Ernst Benninger