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Aktuell / HLS-News
04/2017

Die Reformation vor 500 Jahren

1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen, worin er das Ablasswesen der Kirche anprangerte. Dieses Ereignis wurde im Nachhinein als Auftakt zur Reformation gedeutet. Wer hätte ahnen können, dass die Handlung eines einfachen Mönchs die Kirche in Katholiken und Protestanten spalten und massgeblich zur Entstehung eines modernen Europa beitragen würde.

Nach dem Überblick zur Reformation geht Professor Michel Grandjean in seinem Beitrag der Frage nach, was die Reformation mit uns zu tun hat. Für seine freundliche Mitarbeit danken wir ihm an dieser Stelle. Zahlreiche HLS-Artikel illustrieren das komplexe Phänomen mit seinen weitreichenden politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Folgen.

Die Schweiz und die Reformation
Die Schweiz war lange ein Zentrum der Reformation in Europa. Eine herausragende Rolle spielten Zwingli in Zürich und Calvin in Genf. Unter dem Einfluss des Humanismus strebten die schweizerischen Reformatoren auch soziale und politische Veränderungen an. Die Reformation verbreitete sich rasch und relativ erfolgreich, doch stiess sie ebenso auf heftigen Widerstand. Entscheidend für deren Übernahme oder Ablehnung waren neben religiösen Überzeugungen politische und wirtschaftliche Interessen, die sich von einem eidgenössischen Ort zum anderen unterschieden. Konfessionelle Fragen entzweiten die eidgenössischen Orte immer wieder und noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts standen sie im Zentrum sozialer und politischer Auseinandersetzungen (Religiöse Toleranz).

Anfang und Ausbreitung
Dank Zwinglis Wirken, der ab 1518 Leutpriester am Grossmünster war, fasste die Reformation zunächst in Zürich Fuss. Er bejahte den Grundsatz der Rechtfertigung des Menschen allein aus dem Glauben und jenen der alleinigen Autorität der Bibel (46459) in Glaubensdingen. Diese Grundsätze bildeten Eckpfeiler der reformierten Theologie. 1525 wurde in Zürich die Messe abgeschafft und das Abendmahl von nun an nach Zwinglis neuer Ordnung begangen. Über Zwinglis Freundeskreis breitete sich der neue Glaube zuerst in der Ostschweiz aus, gelangte etwa über Vadian nach St. Gallen und Johannes Comander nach Graubünden. Als der mächtige Stadtstaat Bern 1528 die Reformation einführte, war dies ein entscheidender Schritt für deren Erfolg. Biel, Basel und Schaffhausen folgten seinem Beispiel. Der südliche Teil des Fürstbistums Basel schloss sich unter Bieler, Berner und Basler Einfluss ebenfalls an. Auch Neuenburg nahm dank der Predigten von Guillaume Farel und unterstützt von Bern den neuen Glauben an.

Zerreissprobe für die Eidgenossenschaft
Freiburg, Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern und Zug lehnten hingegen die Reformation strikt ab. Für den Widerstand der Innerschweizer Orte mag der von Zwingli bekämpfte Solddienst eine Rolle gespielt haben, denn daraus flossen ihnen wichtige Pensionengelder zu. Die neu- wie die altgläubigen Orte schlossen konfessionelle Bündnisse (Christliches Burgrecht, Christliche Vereinigung). Mit dem ersten Kappeler Landfrieden 1529 wurde insbesondere die Koexistenz katholischer und reformierter Territorien anerkannt und ein Blutvergiessen konnte vorerst verhindert werden (Kappelerkriege, Landfriedensbünde). Doch im zweiten Kappelerkrieg 1531 fielen mehrere Hundert Männer, unter ihnen auch Zwingli. Dieser Sieg der Katholiken bedeutete indes nicht das Ende der konfessionellen Konflikte in der Eidgenossenschaft (Erster und Zweiter Villmergerkrieg). Entscheidend für die Geschichte der Schweiz war, dass die politische Kooperation über die religiösen Grenzen hinweg auf Dauer möglich blieb.

Nach Kappel
Der Sieg der Katholiken verhinderte zwar die weitere Ausbreitung der Reformation in der Ostschweiz, nicht aber andernorts. Die von Bern eroberte Waadt musste 1536 die Reformation einführen. Calvins Wirken strahlte weit über Genf hinaus und machte diese Stadt zum «reformierten Rom». Das Engadin übernahm den neuen Glauben in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Kurzlebige reformierte Glaubensgemeinschaften entstanden im Verlauf des 16. Jahrhunderts im Wallis und in Locarno. Dort wurden die Reformierten 1555 gezwungen, dem neuen Glauben abzuschwören oder ins Exil zu gehen.

Ausgewählte Artikel
Ablasswesen | Antiklerikalismus | Bibel | Bildersturm | Calvinismus | Christliche Vereinigung | Christliches Burgrecht | Disputationen | Gegenreformation | Helvetische Bekenntnisse | Humanismus | Kappelerkriege | Katholische Reform | Katholizismus | Konfessionalismus | Konfessionelle Parität | Landfriedensbünde | Protestantismus | Reformation | Religiöse Toleranz | Theologie | Zwinglianismus

 

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04/2017

Was verdanken wir der Reformation?

Oft bringen apologetische Stimmen Schwung in den breiten Diskurs: Die Reformation habe die Gewissensfreiheit gebracht, sagen die einen, sie habe die Grundlagen des Kapitalismus oder jene des Sozialismus gelegt, die anderen. Ja, sie habe gar die Menschenrechte ersonnen …

Diese Behauptungen sind, da verkürzt wiedergegeben, weit entfernt von der Wahrheit. Und doch ist es unmöglich, den Ursprung der Gewissensfreiheit, der Gewerbefreiheit, ja des freien Unternehmertums oder der sozialen Gerechtigkeit zu ergründen, ohne der Reformation im 16. Jahrhundert - in welcher Form auch immer - ihren Platz einzuräumen. Trat nicht Luther im April 1521 auf dem Reichstag in Worms überlegen und frei gegenüber den politischen und kirchlichen Instanzen auf?

Niemand würde heute behaupten, dass die Reformation als solche die Ursache für Glaubensfreiheit und Toleranz sei. Aber sie ist Teil ihrer Voraussetzungen. Weil die sich abzeichnenden konfessionellen Grenzen in Europa nicht mehr mit den territorialen übereinstimmten, konnte Sebastian Castellio von Basel aus für die Billigung beider Religionen in Frankreich plädieren («Conseil à la France désolée», 1562). Nach den Kappelerkriegen musste die dreizehnörtige Eidgenossenschaft den Umgang mit religiöser Verschiedenheit erst lernen. Vielleicht ahnten die Eidgenossen, dass die politischen Bande den konfessionellen Meinungsverschiedenheiten standhalten würden. So leistete die Schweiz, dank der Reformation, die von den einen angenommen und von den anderen abgelehnt wurde, ihren bescheidenen Beitrag zur Schaffung von Toleranz.

Michel Grandjean, Professor Universität Genf (Übersetzung Margrit Irniger)

 

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Aktuell / HLS-News
04/2017

Aktuelle Politik-Diagramme 

Unter den kürzlich im e-HLS veröffentlichten Infografiken sticht eine Serie von Politik-Diagrammen hervor, die um die jüngsten Wahl- und Abstimmungsresultate ergänzt worden ist. Sie aktualisiert Artikel wie Bundesversammlung, ParteienStimm- und Wahlrecht oder Stimm- und Wahlbeteiligung.

Ausgewählte Beispiele der HLS-Infografik

Die Liste aller Artikel mit Infografiken gibt es hier.

 

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05/2017

In memoriam Claudio Soliva (1929-2017)

Am 7. April 2017 verstarb Claudio Soliva in seinem 89. Altersjahr. Claudio Soliva war ab 1974 ausserordentlicher Professor und 1981-1995 Ordinarius für Schweizerische und Deutsche Rechtsgeschichte und Privatrecht an der Universität Zürich sowie 1980-1994 ausserordentlicher Professor für Rechtsgeschichte an der damaligen Hochschule St. Gallen. Ausserhalb von Lehre und Forschung stellte er seine juristische Kompetenz der Öffentlichkeit unter anderem als Präsident der Rechtsquellenstiftung des Schweizerischen Juristenvereins sowie als Gutachter, Schiedsrichter und Mitglied verschiedener Expertenkommissionen zur Verfügung.

Für das HLS war Claudio Soliva 1988-1997 als Wissenschaftlicher Berater für die Rechtsgeschichte der Deutschschweiz und Rätiens tätig und prägte in dieser frühen Phase des Lexikons die Stichwortliste im Bereich Recht und Justiz. Er begutachtete insgesamt 128 Artikel von «Acta Murensia» bis «Johann Jakob Ziegler» (1587-1656) und wirkte darüber hinaus auch selbst als Autor am HLS mit.

Das HLS behält Claudio Soliva in dankbarer Erinnerung.

Die Redaktion

Lesen Sie den Nachruf von Lukas Gschwend auf der Webseite der Universität St. Gallen.

 

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